Diagnose: „Identität: Gestört“

Es gibt mich nicht. Ich bin nicht vorhanden.
Auf dem Papier existiere ich nicht. Im Gesetz bin ich nicht vorgesehen. Im Alltag bin ich unsichtbar.
Es gibt keine Toilette für mich, keine Umkleidekabine, kein Sportteam (in den Sportarten, die ich mag), fast keine Veträge , kein Pronomen, keinen Platz in dieser Welt und auch in keiner Anderen.
Nur in der Psychologie gibt es mich, als die große Kategorie „Identitätsstörung“. Ich bin bestenfalls eine Störung. Subversiv eben. Der nervige Streifen auf dem Bildschirm, der nicht dahin gehört.
Wer mich auf Formularen übergeht, wer mich nicht nennt, wer mich als „krank“ bezeichnet, mir sagt, dass ich verrückt bin, und dass was ich fühle „gestört“ ist, sagt nur was im Diagnosebogen steht und ist im Recht. Das tut weh. Das macht verzweifelt. Das macht wütend.
Ich bin weder weiblich, noch männlich. Ich bin ich. Ich fühle nicht als eindeutig geschlechtliches Wesen. Deshalb falle ich auch nicht in das (mangelhafte) Transsexuellengesetz hinein. Ich würde gerne meinen gesetzlichen Namen ändern und den Geschlechtseintrag in meiner Personenstandsanzeige löschen. Aber das geht nicht. Weil es mich nicht gibt. Ich bin nicht vorgesehen.
In Deutschland muss alles nach Regeln laufen, wer aus dem Rahmen fällt, wird eben als „krank“ abgestempelt. „Eine Therapie wird schon helfen klar zu kommen.“
Nein. Wird sie nicht. Identität ist nicht therapierbar und ich brauche keine Hilfe.
So lange Staat und Gesellschaft das aber glauben, bin ich wohl unheilbar krank und muss jeden Tag wieder und wieder um meinen Stolz kämpfen, darum sein zu dürfen, darum mich nicht zu verbiegen, nicht zu brechen, darum leben zu dürfen und mich nicht von den Ellenbogen der Psychopathologisierung niederschlagen zu lassen.
Und wisst ihr was? Ich werde immer besser darin – auch dank eines Umfeldes, dass es mir leicht macht nicht umzukippen. Ein Schritt ist, laut zu sein! Stolz zu sein, auf Subversivität! Und ich bin nicht Allein! Es gibt uns nämlich Doch!

Nette Aufmunterung einer Freundin, auch wenn Girl nicht so richtig passt.