Gefangen zwischen Rahmen

Da ist diese eine Welt. In der ich lebe.
Da ist diese andere Welt. Die ich mir wünsche.
Wo ist die Brücke, die Mischung? Warum gibt es nur dieses düstere Tor zwischen den Rahmen und so wenig Raum dazwischen? Ein Text über den Rahmen.

Wieder einmal stehe ich draußen und wische mir die Tränen der Wut mit der geballten Faust aus dem Gesicht, oder nein: Ich vermische sie dort mit dem Schmutz des Tages.
Das sieht bestimmt unpassend aus. Ich muss mir mein Gesicht waschen.
Ich muss gar nichts.
Emotionen zulassen, statt sie zu verbergen. Aber dann auch die fragenden Blicke aushalten, die erdrückend auf mir liegen? Ich will nichts erklären, kann ja doch niemand helfen.

Es gibt keine Lösung. Aber irgendwann muss ich wieder rein gehen.

Diese Welt, in der ich bin, ist nichts für mich. Wie oft ich das schon gedacht habe?
Ich weiß es nicht.
Ich fühle mich gefangen. In Ihr. Geworfen in eine Welt, in die ich nicht hineinpasse, in einem Rahmen, den ich nicht sprengen kann, egal was ich versuche, irgendwie fühle ich mich unpassend und komme doch nicht raus. Wenn es doch mal klappt, fühle ich mich erdrückt von den Rahmen von Welten. Ich ecke an, gehe an Grenzen, aber komme nicht darüber hinaus. Ich versuche das Bild, die Normen zu ändern, mit ihnen zu brechen, sie vorbeiziehen zu lassen, aber der Rahmen… er bleibt. Kein Durchkommen durch die Mauer.
Irgendwas stimmt nicht mit mir. Andere Leute schaffen es doch auch ruhig zu bleiben, sich zu bewegen, und sich nicht ständig an den Widerhaken der Zweigeschlechternormen zu verletzen.
Oder haben sie einfach nur dickere Schutzanzüge und mehr Quetschungen als Fleischwunden? Wo ist der Schmerz, wo die Wut dieser ganzen tollen, starken Menschen? Haben sie wirklich alle gelernt sich langsam, mit der Säge in der Hand, die kleinen Zwischenräume zu suchen, die Angriffspunkte bieten ohne dabei aus dem Gleichgewicht zu geraten? Lecken sie so gut gegenseitig ihre Wunden, dass das reicht, um genug Kraft zu haben nicht stehen zu bleiben? Oder ist das Resignation? Oder einfach nur meine eigene Unfähigkeit zu erkennen, dass ich nicht allein mit meinen Gefühlen bin?

Entschlossen ziehe ich mein T-Shirt hoch und wische mit der Innenfläche mein Gesicht ab.
Offen sein. Ehrlich sein. Kein verdammtes Selbstmitleid. Sagen was stört. Weitermachen. Was bleibt auch übrig, wenn ich nicht erdrückt werden will vom Rahmen der Zweigeschlechternormen? Aufstehen und versuchen ihn zu sprengen, ihn immer wieder ein Stückchen wegdrücken, versuchen ihn zu durchlöchern. Das heißt auch Grenzerfahrungen machen und ja, auch Mal an Widerhaken stoßen, blaue Flecken bekommen. Aber vor Allem geht es nur in dem Verständnis, dass Andere das auch machen, eben nicht alleine.


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